Der vlbs nimmt Stellung

zum Antrag der Fraktion der SPD, Drucksache 18/17446: „Die Zukunft der Bildung sichern: Eine moderne Neuausrichtung des Lehramtsstudiums in NRW“

Die Stellungnahme des Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Berufskollegs in NRW (vlbs) befasst sich mit der Reform der Lehrkräftebildung in NRW, insbesondere für Berufskollegs.

Synopse

1. Reformbedarf wird ausdrücklich anerkannt

Der vlbs begrüßt die Reformüberlegungen zur Lehrkräftebildung ausdrücklich. Als Hauptprobleme werden genannt:

  • zunehmender Lehrkräftemangel,
  • mangelnde Verzahnung von Studium und Praxis,
  • Bedarf an neuen Zugangswegen zum Lehrerberuf.

Dabei fordert der Verband eine „kohärente Gesamtstrategie“ statt isolierter Einzelmaßnahmen.

2. Qualitätsstandards dürfen nicht abgesenkt werden

Der vlbs unterstützt flexiblere Zugangswege und mehr Praxisnähe, warnt aber deutlich vor Qualitätsverlusten. Besonders betont werden:

  • Beibehaltung der zweiphasigen Ausbildung (Studium + Vorbereitungsdienst),
  • mindestens 18 Monate Referendariat,
  • Erhalt der Staatsprüfung als Qualitätsinstrument.

Gerade am Berufskolleg seien hohe fachliche und berufspädagogische Kompetenzen notwendig.

3. Praxisphasen sollen ausgebaut werden

Mehr schulische Praxis im Studium wird positiv bewertet. Der vlbs fordert aber:

  • systematische Vorbereitung und Reflexion,
  • enge Zusammenarbeit von Hochschulen, Schulen und ZfsL,
  • Praxis nicht nur „zusätzlich“, sondern integriert in die Ausbildung.

Eine bloße Ausweitung der Praxisanteile ohne Struktur bringe keinen Professionalisierungseffekt.

4. Engere Verzahnung von Universität und ZfsL

Der vlbs unterstützt die stärkere Verbindung zwischen erster und zweiter Ausbildungsphase. Voraussetzungen seien:

  • gemeinsame Curricula,
  • klare Rollenverteilung,
  • Kooperation „auf Augenhöhe“,
  • keine Dominanz der Hochschulen gegenüber den ZfsL.

5. Ingenieurpädagogik und HAW-Modellversuch werden begrüßt

Positiv hervorgehoben wird der geplante Modellversuch an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) mit Studiengängen für Ingenieurpädagogik. Dadurch werde erstmals eine bisher fehlende Studienmöglichkeit geschaffen.

6. Ausbau bestehender Kooperationen gefordert

Der vlbs möchte bestehende Kooperationen zwischen Universitäten und HAWs stärken, insbesondere:

  • Aachen,
  • Münster,
  • Siegen,
  • Wuppertal,
  • Paderborn.

Außerdem werden neue Kooperationen und Fachrichtungen vorgeschlagen, z. B. Sozialpädagogik mit katholischen Hochschulen.

7. Warnung vor Ein-Fach-Lehrkräften

Der Verband sieht Modelle kritisch, die nur ein Unterrichtsfach vorsehen. Lehrkräfte müssten weiterhin breit einsetzbar bleiben.

8. ZfsL haben zentrale Rolle

Die Zentren für schulpraktische Lehrkräfteausbildung (ZfsL) werden als unverzichtbar bezeichnet:

  • Verbindung von Theorie und Praxis,
  • Qualitätssicherung,
  • Begleitung aller praxisorientierten Ausbildungsanteile.

9. Besonderheiten des Berufskollegs müssen stärker berücksichtigt werden

Der vlbs kritisiert indirekt, dass das Berufskolleg oft nur unter dem Gesichtspunkt des Lehrkräftemangels betrachtet werde. Stattdessen müssten berücksichtigt werden:

  • hohe fachliche Spezialisierung,
  • Verbindung von beruflicher und schulischer Bildung,
  • heterogene Schülerschaft.

10. Konkrete Forderungen des vlbs

Der Verband nennt zahlreiche konkrete Reformideen, darunter:

  • phasenübergreifende Curricula,
  • stärkere Vernetzung von Fachwissenschaft, Didaktik und Bildungswissenschaft,
  • einheitliche Prüfungsordnungen,
  • mehr Lehrkräfteabordnungen an Hochschulen,
  • Mitspracherecht des Schulministeriums bei Professorenberufungen,
  • Wiedereinführung der Förderschwerpunkte Lernen (LE) und emotionale/soziale Entwicklung (ES) für BK-Lehramt,
  • bessere Anerkennung beruflicher Vorleistungen,
  • mehr Stipendienmodelle für BK-Lehramtsstudierende.

11. Positives Beispiel: Duales Lehramtsstudium Erfurt

Besonders interessant findet der vlbs das duale Lehramtsmodell der Universität Erfurt:

  • durchgehend bezahltes Studium,
  • enge Begleitung an Schule, ZfsL und Universität,
  • kein unbegleiteter Einsatz von Hilfslehrkräften.

Der vlbs sieht darin ein mögliches Zukunftsmodell für NRW.

Hier geht es zu unserer ausführlichen und originalen Stellungnahme

Düsseldorf, 26.04.2026
Reiner Neuß, Vorsitzender vlbs-Ausschuss Lehrkräftebildung
Marc-Oliver Hohnen, vlbs-Ausschuss Lehrkräftebildung
Olaf Schmiemann, vlbs-Vorsitzender
Dr. Markus Söding, vlbs-Geschäftsführer